Orgeln und Orgelbauer in der Slowakei
1651 – 2006
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Aus der Orgelgeschichte

1882, Vincent Možný – Neubau.

1892 – Einbau eines Barkerhebels in die Spieltraktur des I. Manuals (wahrscheinlich von V. Možný).

1917, František Josef Svoboda – Reparatur.

1928, Anton Schönhofer jun. – Reparatur mit Eingriff in die Disposition (im II. Manual Austausch des Salicional 8´ mit einer Kvinta 2 2/3´, Lieblich Gedact 8´mit Superoktave 2´, Aeolina 8´ durch andere engmensurierte Pfeifen in Achtfußtonlage).

1969, Ladislav Jankoviè – Umbau der Pedalkoppel mit Bowdenzügen und Pneumatisierung, Einbau eines Tremulanten, einer Nachtigall, wahrscheinlich auch Austausch der Pedalklaviatur mit ursprünglichem Umfang von C – d1, mit einer neuen mit Umfang C – f1, und weitere Arbeiten.

1993, Marian Alojz Mayer, Miroslav Jablonský – Erneuerung der Spieltrakturen, teilweiser Ersatz des unoriginalen Plastikbelages der Tasten des I. Manuals durch Naturbein, Erneuerung der Manual- und Pedalkoppel, Entfernung des Tremulanten und der Nachtigall, Erneuerung der Bänder und Belederung des Balges des I. Manuals, Reinigung, Stimmung.

2007, Vladimír Gazdík – Dokumentation, Zerlegung und Lagerung der Orgel.

Seit 2007 – Orgelbauer G. Woehl baut für die Kathedrale St. Martin eine neue viermanualige Orgel, die 2010 fertiggestellt werden soll.

Die Orgel baute Vincent Možný im Laufe von nahezu 2 Jahren (1880 – 1882). Die Abnahme erfolgte am 19. November 1882. Die zweimanualige Orgel mit 34 Registern ist das größte Instrument von Vincent Možný. Wahrscheinlich ist es die erste Orgel eines slowakischen Orgelbauers mit Barkerhebel. Er mußte zur Erleichterung des Tastenganges des I. Manuals benutzt werden, weil hier 15 Register disponiert waren (zwei Register in 16´Lage, die meisten in 8´, dazu eine fünfreihige Mixtur und ein vierreihiger Kornet).

Das Instrument litt unter seiner Aufstellung im Raum, eine ungünstigere Stelle war wohl nicht zu finden, worauf bereits bei der Abnahme hingewiesen wurde. Schuldtragend ist jedoch nicht der Orgelbauer, aber das Verlangen des damaligen Kirchenmusikvereins den ganzen Chorraum für seine Produktionen freizuhalten. Somit blieb für die Orgel nur der Raum im Unterbau des Turmes. Beim Bau mußte Možný auch andere Einschränkungen berücksichtigen. Wegen der Vitragen, die der Domherr und spätere Bischof Heiler und der Bischof von Banská Bystrica Ipolyi stifteten, mußte auch der Durchblick zum hinteren neugothischen Fenster erhalten bleiben. Dazu kamen finanzielle Beschränkungen – nach der aufwändigen Neugothisierung des Domes, die 1877 vollzogen wurde, blieben für die Orgel nur ungenügende Mittel. V. Možný war gezwungen etwa die Hälfte des Pfeifenbestandes von älteren abgebauten Orgeln zu verwenden. Wegen Finanzknappheit strich Pfarrer Heiler auch Mittel für die geplanten Zungenregister, was ebenfalls bei der Abnahme beanstandet wurde. Um einen Orgelneubau bemühte sich in der Zwischenkriegszeit erfolglos der damalige Domorganist Štefan Németh-Šamorínsky.

Trotzdem beinhaltete die Orgel klangschöne romantische Register, hauptsächlich in der 8´ Lage. Diese sollten zur Geltung kommen, wenn die Orgel übersiedelt und in einen akustisch vorteilhaften Raum neu aufgebaut wird.


Text: Marian Alojz Mayer