Orgeln und Orgelbauer in der Slowakei
1651 – 2006
Vorheriger Orgelbauer Verzeichnis der Orgelbauer Nachfolgender Orgelbauer

József Angster

[Angster József]


* 07.07.1834, Katschfeld, heute Jagodnjak (Kroatien)
† 09.06.1918, Pécs (Ungarn)

Er stammte aus einer Bauernfamilie deutschen Ursprungs. Das Tischlerhandwerk lernte er bei Joseph Hain in Esseg (Slovenien), Den Gesellenbrief erwarb er am 10. Oktober 1853, dann ging er auf Wanderung. In 1856 kam er nach Wien, wo er ab 1859 wechselweise bei Peter Titz und Franz Ulmann arbeitete. Auf die Anregung des Orgelbaugesellen Schlund arbeitete er von August 1863 bis 19. August 1866 beim berühmten Orgelbauer Aristide Cavaillé-Coll. Obwohl er dort als Tischler angestellt war, notierte er fleißig Zeichnungen und Anmerkungen in sein Tagebuch. Später versuchte er erfolglos bei Orgelbauer Mooser in Salzburg eine Anstellung zu erhalten. Nach Ungarn kehrte er über Bratislava und Pest zurück. Ansässig wurde er in Pécs, wo er eine später berühmte Orgelwerkstatt gründete. In 1886 veröffentlichte er ein Buch (Az Orgona), in dem er allgemeine Kenntnisse über die Orgel zusammenfasste. Er beabsichtigte auch ein Buch über die Orgelgeschichte in Ungarn zu verfassen, doch dieses Vorhaben wurde nicht verwirklicht. Später arbeitete er zusammen mit seinen Söhnen. Die Werkstatt wurde erst nach dem zweiten Weltkrieg aufgelöst.

Orgelbauwerkstatt

Ab 1867 baute er in Pécs in bescheidenen Bedingungen. Zunächst alleine und mit einer einzigen Hobelbank. Er verfertigte auch Harmonien und Leierkästen. Als er mit dem Bau einer zweimanualigen Orgel beauftragt wurde, vergrößerte er die Werkstatt und stellte drei Gehilfen ein. Die Orgel, an der er 13 Monate arbeitete, wurde am 21. März 1869 abgeliefert. Sie löste Bewunderung auch unter Fachleuten aus und bedeutete den Anfang einer erfolgreichen Laufbahn des Orgelbauers. Bis 1874 mußte er die Metallpfeifen aus dem Ausland beziehen, aufgrund einer Zusammenarbeit mit dem Hersteller Martin Rumpel, einem ehemaligen Angestellten bei Peter Titz in Wien. Seitdem wurde seine Werkstatt, bis auf die Herstellung von Zungenpfeifen eigenständig und weitete sich zur Fabrik aus. Maschinen verwendete er jedoch später als die Konkurrenzwerkstatt Rieger. Mittlerweile setzten sich seine Orgeln auf dem ganzen Gebiet Ungarns durch. Die erste Orgel in der Slowakei baute er 1883 für die katholische Kirche in Vèelince, als Opus 56. Weitere Orgeln in der Slowakei folgten bald. Nach dem ersten Weltkrieg erlosch seine Tätigkeit in der Slowakei, doch zwischen 1938 – 1945, als einige slowakische Gebiete an Ungarn fielen, wurde sie in kleinerem Umfang erneuert.

Angster bevorzugte anfänglich Schleifladen und mechanische Trakturen. Den Neuerungen trat er mit Respekt entgegen, doch später wurden sie für seine Erfolge grundlegend. Dazu gehörten z. B. Schwellkästen. Bereits beim ersten Opus war die ganze Orgel in einen Schwellkasten eingebaut, sie enthielt als Prospekt angemalte Pfeifen auf den Lamellen. Das zweite Manualwerk befand sich in einem separaten Schweller, so daß für seine Register ein zusätzlicher Schwelleffekt zustandekam. Er baute bei großen Orgeln mit Vorliebe Barkerhebel zur Erleichterung der mechanischen Spieltraktur. Ähnlich begeisterten ihn Vorzüge der pneumatischen Registertraktur. Die Einführung erster pneumatischer Spieltrakturen in Ungarn fällt vermutlich in das Jahr 1883, als er eine zweimanualige Orgel in die Piaristenkirche in Trenèín baute (Opus 185). Hier besitzen die Manualwindladen noch mechanische Trakturen, doch die Pedalwindlade ist bereits pneumatisch. Kurz danach baute er eine Orgel mit 10 Registern für die evangelische Kirche in Rimavská Sobota (Opus 199), wo alle Trakturen pneumatisch gebaut sind. Ursprüglich hatte diese Orgel Kastenladen, deren Patent Angsters Mitarbeiter Bruno Göbel besaß. Die Spielweise erwies sich jedoch als unzuverläßlich und Angster mußte die Lade nach einem Jahr durch Schleifladen ersetzen. Eine ähnliche, jedoch größere Orgel baute er für die katholische Kirche in Szolnok (Ungarn). Auch dort entstanden Probleme mit der Zuverläßlichkeit, obwohl der Klang angeblich hervorragend war. Nach 1900 wurden bei Angster die pneumatischen Kegelladen vorherrschend. Die Schleifladen mit mechanischen Trakturen fielen in Vergessenheit.

Text: Marian Alojz Mayer

Fotogalerie              
Angster_zmluva.jpg

Vertrag über den Bau der jesuitischen Hl. Dreifaltigkeit Kirche in Trnava von 1885.